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Praktikanten Bericht Dariah Bredow 2005 |
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Meine Entscheidung nach Brasilien zu gehen fiel ich sehr kurzfristig. Dass ich in meinem Berufspraktikum erneut ein Auslandspraktikum machen möchte, stand allerdings schon länger fest. Das Kinderhaus in Sao Paulo, welches wir auch selber ab und an mit Spendenaktionen in der Schule unterstützt hatten, interessierte mich mehr und mehr. Drei Monate schienen mir eine angemessene Zeit um wirkliche einen Eindruck der „Casa do Zezinho“ zu bekommen. Somit begann ich schnellstmöglich einen Sprachkurs und organisierte alle anderen wichtigen Vorbereitungen. In meinen ersten drei Wochen in der Casa lernte ich das ganze Haus kennen. In der Zeit beobachtete ich den üblichen Tagesablauf und unterhielt mich mit den Kindern, wobei ich meine Sprachkenntnis deutlich verbessern konnte, viel vom alltäglichen Leben der Kinder und Erzieher lernte und auch viel von „meinem“ Deutschland und meiner Familie erzählen sollte. Die Kinder waren bald genauso neugierig auf mein Land wie ich es auf ihres war. Ich durchlief auch die Lehrwerkstätten (Bäckerei, Siebdruck, Mosaik, Sport, Computer usw.) um dort die jeweiligen Lehrer, bzw. Betreuer und ihre Arbeit kennen zulernen. Nach drei Wochen hatte ich dann einen guten Überblick über das Haus, die Erzieher und Kinder, über die allgemeine Arbeit und den Tagesablauf. Für diese Kennenlernzeit war ich rückblickend sehr dankbar, da ich so wirklich alle „Casa-Mitglieder“ kennen lernen durfte und schon bald nicht mehr die „Fremde aus Europa“ war. Auch erleichterte mir dies den Einstieg in mein Projekt. Ich wohnte bei einem der Mitarbeiter, der mir nicht nur sehr beim Verbessern der Sprache half, sondern mir auch viel vom „brasilianischem Alltag“ zeigte. Da ich auch andere Mitarbeiter auch privat kennen lernen durfte, war die Arbeitsatmosphäre äußerst angenehm und entspannt. Auch bekam ich dort als Praktikantin weitaus mehr Freiheiten meine Arbeit selbständig zu organisieren und durchzuführen, als ich es in Deutschland je kennen gelernt hatte. (Was wohl vor allem an der Mentalität liegt, die dort doch etwas unbekümmerter ist.) Jedoch war dies alles andere als eine unangenehme Erfahrung! Allein das Vertrauen, welches mir auf die Art entgegen gebracht wurde, motivierte mich sehr. Ich fühlte mich somit auch im Team aufgenommen und respektiert. Auch meine Arbeit mit den anderen Kindern (mit denen ich kein Sport machte wurde anerkannt; wohl weil die Kinder sich häufig bei den Erziehern und der „Chefin“ positiv über mich äußerten. Einmal wöchentlich gab es eine Teamsitzung, in der ich auch jedes mal eingeladen wurde, trotzdem ich wegen meines Portugiesisch nicht alles verstehen konnte. Ich hätte gerne im vorhinein mehr Zeit gehabt, die Sprache besser zu lernen. Ziemlich kritisch war ich zu Anfang bei der mangelnden Disziplin und dem Chaos, das in den Gruppen herrschte. Öfter hatte ich den Eindruck, dass man die Kinder noch besser beschäftigen oder ggf. unterrichten könne. Auch fiel mir bei manchen Erzieher das sehr junge Alter auf, wobei ich Zweifel bekam, ob diese die Kinder auch wirklich gut betreuen konnten. Letztendlich jedoch ist diese „Disziplinlosigkeit“ nun mal auch Teil des brasilianischen Temperaments und mit den Normen der Deutschen nicht vergleichbar. Und vor allem sind die Kinder dort nicht in einer Schule, sondern eher in einer Freizeitstätte, in der sie nicht einen beständig fordernden Stundenplan folgen sollen. Und somit gewöhnte ich mich an das „Chaos“ und den lauten Geräuschpegel. Ein besonders wichtiges Erlebnis war für mich natürlich der Besuch in der Favela. In Begleitung von Mitarbeitern der Casa wurde mir ein Teil dieses Armutsviertels gezeigt. Zurück in der Casa, nach diesem Besuch in der Favela realisiert man dann erst wirklich, wie wichtig diese Arbeit der Casa do Zezinho ist, und was dieses Haus den Kindern bedeuten muss. Es ist eine Oase in der trostlosen Wüste. Die intensive Zusammenarbeit und das gemeinsame Verbringen der Freizeit und die somit entstandenen privaten Freundschaften machten mir den Abschied sehr schwer. Auch die Kinder waren sehr traurig und wollten wissen, wann ich denn wiederkäme. Ich hatte mich in den drei Monaten wirklich sehr gut eingelebt und mich auch von Berlin ein wenig „entwöhnt“. Natürlich freute ich mich auf meine Familie und Freunde Zuhause; jedoch war dies sehr gespalten, da der kleine Fleck in Sao Paulo mir doch auch ein kleines Zuhause geworden war. Das Einleben im kalten Deutschland fiel mir schwerer als erwartet. Trotz allem ist es eine große und wichtige Erfahrung die ich machen durfte und auf keinen Fall missen möchte. Sie ließ mich in eine andere Welt hineinschauen und somit ein Stück näher zu mir finden. Weitere Informationen: www.zukunft-durch-bildung.de |
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