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Praktikanten Bericht
Andrea Loosen 2007


Vom 7.11. bis 15.12. 2006 war ich für ein Praktikum in der Casa do Zezinho. Auf die Idee war ich gekommen, weil die Kinder regelmäßig in die Weihnachts- und Ostergrüße schreiben, daß ich sie doch mal besuchen kommen soll. Und es war dann überhaupt kein Problem, auch als Fachfremde dort für ein paar Wochen mitzumachen.

Die Kinder kommen jeden Tag für 4 Stunden vor oder nach dem regulären Unterricht. Über die Woche sind die verschiedenen besonderen Aktivitäten verteilt wie Tanz und Capoeira. Dann gibt es noch Englisch, was allerdings nur ganz kurz dauerte und nur gesungen wurde. Dann können die Kinder noch je nach Wetter ins Schwimmbad, was sie ganz toll finden, auch wenn ich keins gesehen habe, das auch nur ansatzweise schwimmen konnte. Leider gab es auch keine Anleitungen, um es zu erlernen.

Ein- bis zweimal in der Woche können die Kinder in kleineren Gruppen in den Computerraum, wo sie erst ein bisschen mit einem Zeichenprogramm üben sollen, bevor sie dann ins spannendere Internet dürfen. Die Computerkenntnisse sind sehr unterschiedlich, sicher nicht zuletzt wegen der sehr unterschiedlichen Lese- und Schreibkenntnisse. Aber die Kinder helfen sich dann auch schon mal untereinander.

Ich habe die ersten Tage immer in einer anderen Gruppe verbracht und bin dann anschließend in jeder Gruppe eine ganze Woche geblieben. Die Kinder sind super lieb und nett und ich fand es ganz klasse mit ihnen. Sie machen es einem wirklich leicht. Vor allem die Mädchen sind sehr zutraulich und schließen einen gleich ins Herz. Die Jungen brauchten etwas länger. Sie fügen sich alle gut in eine Gruppe ein, sind sozial und führen Außenstehende wie mich stolz durch die Casa.

Die Gruppen sind sehr groß, theoretisch können es wohl bis zu 50 Kinder sein. Auch für zwei Erzieherinnen, wie sie für jede Gruppe vorgesehen aber nicht immer vorhanden sind, finde ich das ziemlich viel. Aber da nicht alle Plätze vergeben sind, und auch nicht alle Kinder jeden Tag kommen, waren es im Durchschnitt wohl eher 30 Kinder. Die Erzieherinnen sind lieb, sprechen viel mit den Kindern und erklären und werden auch von den Kindern sehr gemocht. Dazu sind sie sehr kreativ, was Basteln und Malen angeht. Aber oft machen sie viel zuviel allein. Wenn eine Bastelarbeit 10 Arbeitsschritte hat, machen die Kinder einen, den Rest machen die Erzieherinnen. Es wird sehr, sehr viel gemalt, kreatives Spiel und Förderung stehen weniger auf der Tagesordnung.

Zum Sport und zum freien Spielen geht es mehrmals die Woche, und wenn es das Wetter zuläßt, auf den Sportplatz. Beim freien Spiel bevorzugen die Jungen immer Fußball, während die Mädchen Seil springen. Und mögen Seil und Fußball auch in einem noch so schlechten Zustand sein, sie beklagen sich nie. Die Teams werden schnell und selbstständig gebildet. Und Auseinandersetzungen während des Spiels können die Kinder meist selber lösen.

Am besten gefallen hat mir der Capoeira-Unterricht, der von einem der wenigen Männer in der Casa gegeben wird. Obwohl dieser Lehrer wesentlich strenger ist und feste Regeln aufstellt, auf deren Einhaltung er auch achtet, mögen die Kinder ihn sehr. Bei ihm dürfen sie auch nicht ununterbrochen auf die Toilette und Trinken gehen, was sie sehr gerne machen, wenn sie gerade keine Lust haben.

Ärztliche Versorgung gibt es ebenfalls in der Casa, auch ein Zahnarzt kommt regelmäßig. Zu Essen gibt es zweimal am Tag etwas, entweder morgens ein Stück Baguette mit Butter und dazu einen Kakao oder das gleiche für die Kinder, die nachmittags da sind, bevor sie nach Hause gehen. Außerdem erhalten sie noch ein Stück Obst oder eine Portion Milchreis. Manchmal gibt es auch süßes Gebäck, das, weil übrig, an die Casa abgegeben wird.

Ich hab mit den Kindern Schachteln und Spiele aus Papier gefaltet. Einmal hab ich mit den Kindern aus Wellpappe, die in großen Mengen und in verschiedenen Farben vorhanden war, Brillenetuis gebastelt. In allen Gruppen, in denen ich war, habe ich versucht, mit den Kindern zu häkeln, zu stricken und Ketten anzufertigen. Ketten haben alle geschafft. Mit Stricken und Häkeln sah es erst ziemlich düster aus, aber in einer Gruppe haben mich dann drei Jungen überrascht, die es sehr schnell gelernt haben. Ich fand toll, daß fast alle, egal ob Junge oder Mädchen, es wenigstens mal versuchen wollten.

2 Mal wöchentlich treffen sich alle Erzieher zu einer gemeinsamen Besprechung. Dann geht es um die besonderen Termine der Woche wie Ausflüge und Veranstaltungen usw. Außerdem tauscht man sich Vertretern von anderen Initiativen in Sao Paulo aus, wie Schülerlotsen und Psychologen, die die Familie betreuen.

Einmal im Monat kommt auch Coca-Cola, die völlig werbefrei ein Theaterstück aufführen lassen. Und kleine Geschenke für alle Kinder gibt es dann auch.

Zusammenfassen möchte ich, daß mich die Herzlichkeit und Fröhlichkeit der Kinder sehr beeindruckt hat. Vielleicht wegen der Größe der Gruppen kommen anspruchsvollere Beschäftigungen und kreativere Spiele und Arbeiten allerdings etwas zu kurz. Und wegen der großen Gruppen fände ich etwas mehr Disziplin in allen Stunden, wie sie z.B. der Capoeira-Lehrer verlangt, von Vorteil, um mehr Ruhe in die Gruppen zu bekommen. Außerdem würde ich mir mehr Anleitung/Unterricht auf allen Gebieten außer Capoeira wünschen.

Weitere Informationen: www.zukunft-durch-bildung.de